Risiko-Framework für die Einführung und den Einsatz von EDI (Electronic Data Interchange)
 
 
 
 
 
Semesterarbeit im Fach Informatik
 
 
 
 
 

vorgelegt von  Michael Oehry
Kirchstr. 351, FL-9491 Ruggell
Matrikelnummer 93-716-850
 

Angefertigt am  Institut für Informatik der Universität Zürich (IfI)
 Prof. Dr. K. Bauknecht
 

Betreuer    Thomas Gaugler
 

Abgabe der  Arbeit 15. September1997
Angenommen am 3. Oktober 1997
 


Inhaltsverzeichnis
 
 

 Inhaltsverzeichnis
 Abkürzungsverzeichnis
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Zusammenfassung

 
1 Einleitung

1.1 Einführung und Aufgabenstellung
1.2 Übersicht über die Arbeit
 

2 Grundlagen und Zusammenhänge

2.1 Electronic Data Interchange (EDI)
2.2 Standards für EDI
2.3 EDI und Kooperation
2.4 Risiko-Management und Sicherheit
2.5 Bestehende Frameworks für EDI und Risiko
 

3 Risiko-Framework für die Einführung
und den Einsatz von EDI

3.1 Umfeld des Unternehmens
3.1.1 Kooperation und Abhängigkeit
3.1.2 Cross-Vulnerabilities
3.1.3 Rechtliches Umfeld
3.1.4 Externe Bedrohungen
 
3.2 Organisatorische Aspekte

3.2.1 Aufbau- und Ablauf-Organisation
3.2.2 Das Management eines EDI-Projekts
3.2.3 Interne Kontrolle und Audits
3.2.4 Wirtschaftlichkeit
 
3.3 Informations- und Kommunikations-Systeme

 3.3.1 EDI-Systeme und -Applikationen
3.3.2    Standards
3.3.3 Datenübertragung und -Sicherheit
3.3.4 Komplexität und technische Integration
 

4 Schlussbemerkungen

4.1 Beurteilung des Frameworks
4.2 Neue Technologien - Neue Risiken?

 
5 Literaturverzeichnis
 


Zusammenfassung
 

Die vorliegende Semesterarbeit hat zum Ziel, ein umfassendes Risiko-Framework für die Ein-führung und den Einsatz von EDI (Electronic Data Interchange) im Unternehmen aufzustellen. Dabei werden nicht nur die technischen Risiken, sondern auch verschiedene Arten von ök-ono-mischen Risiken beschrieben, analysiert und geeignete Gegenmassnahmen aufgeführt.

Das vorgeschlagene Framework gliedert sich dabei in die drei Hauptteile

· Umfeld des Unternehmens (Kapitel 3.1)
· Unternehmensinterne Aspekte (Kapitel 3.2)
· Informations- und Kommunikationssysteme (Kapitel 3.3).

Eine tabellarische Übersicht jeweils am Ende eines Kapitels zeigt zusammenfassend die Beziehungen zwischen Risiken und Massnahmen. Diese Beziehungen können grundsätzlich positiv sein (das Risiko kann durch die aufgeführte Massnahme reduziert werden) oder negativ (die Risikosituation wird durch die aufgeführte Massnahme verschlechtert).
Zusammen mit den Ausführungen sollen die Übersichts-Tabellen des Frameworks als Check--liste für ein Unternehmen dienen können, das plant, EDI einzuführen, oder das ein be-steh-endes EDI-Sys-tem auf offene Risiken hin überprüfen möchte.
Grund--lage des Frameworks bilden die in einem ersten Teil vorgestellten allgemeinen Kon-zepte zum Management von Risiko. Ebenfalls präsentiert werden einleitend Grundlagen zu EDI sowie zu den verschiedenen sich durch EDI ergebenden möglichen Kooperations-formen zwischen Unternehmen.
Das zentrale Resultat aus der Erarbeitung des Risiko-Frameworks besteht in der Erkenntnis, dass mit der fortschreitenden technischen Entwicklung die typischen technischen Risiken, wie sie im Kapitel 3.3 (Informations- und Kommunikationssysteme) dargestellt werden, nicht mehr im Zentrum der EDI-Risiko-Analyse stehen sollten. Diese Risiken sind heute umfassend analysiert und können mit den bekannten Konzepten (Kapitel2.4) weitgehend beherrscht werden. Bei diesen technischen Risiken handelt es sich typischerweise um Bedingungsrisiken (zum Begriff: Kapitel 2.4).
Kaum umfassend untersucht und analyisiert wurden in der Literatur jedoch Risiken, die sich aus der durch EDI entstehenden Zusammenarbeit, also auf nicht-technischer Ebene, erge-ben. Im Gegensatz zu den Aktionsrisiken handelt es sich hierbei häufig um Bedingungs-risiken (zum Begriff: Kapitel 2.4). Diese Bedingungsrisiken eröffnen einerseits für das EDI ein--führende Unternehmen neue Chancen und Möglichkeiten, bringen es aber auch in risiko-ex-ponierte Situationen, die im Rahmen des Frameworks in den Kapiteln 3.2 und 3.3 dar-gestellt werden. Insbesondere sind dies Risiken der Abhängigkeit, die bei sehr engen EDI-Bezieh-ungen entstehen können, sowie rechtliche Unsicherheiten im EDI-Umfeld. Ebenfalls rele-vant sind Risiken auf der unternehmensinternen, organisatorischer Ebene; hier geht es insbesondere um Risiken, die durch eine ungenügende Anpassung der inneretriebli-chen Orga-nisation bei der Einführung von EDI entstehen können. Daneben ergeben sich auch Risiko-potentiale durch den Wegfall der üblichen, papierbasierten Audit-Möglichkeiten oder aus einer ungenügenden Wirt-schaftlichkeit des EDI-Projekts.


Abbildungsverzeichnis
 

Fig. 1.1  "Point-to-Point"-Kommunikation von EDI-Unternehmen Seite   5
Fig. 1.2 EDI-Netzwerk mit EDI-Provider    Seite   6
Fig. 1.3 Zwei EDI-Netzwerke, über Gateways verbunden  Seite   6
Fig. 1.4 Vergleich EDIFACT mit Formular und Normaltext  Seite   7
Fig. 2.1  Übersicht EDI-Kooperationsformen    Seite 11
Fig. 2.2 ISO-Sicherheitsarchitektur     Seite 18
 
 

Tabellenverzeichnis
 

Tab. 3.0 Beispiel zu den Erläuterungen der Tabellen   Seite 20
Tab. 3.1 Kooperation und Abhängigkeit    Seite 26
Tab. 3.2 Cross-Vulnerabilities      Seite 28
Tab. 3.3 Rechtliches Umfeld      Seite 36
Tab. 3.4 Externe Bedrohungen      Seite 38
Tab. 3.5 Aufbau- und Ablauf-Organisation    Seite 45
Tab. 3.6 Managemenaspekte      Seite 53
Tab. 3.7 Interne Kontrolle und Audits     Seite 57
Tab. 3.8 Wirtschaftlichkeit      Seite 63
Tab. 3.9 EDI-System und -Applikationen    Seite 70
Tab. 3.10 Standards       Seite 74
Tab. 3.11 Datenübertragung und -Sicherheit    Seite 81
Tab. 3.12 Komplexität und technische Integration   Seite 84

 


1 Einleitung
 

1. 1 Einführung und Aufgabenstellung

Seit nunmehr bald 30 Jahren werden Daten zwischen Unternehmen auch elektronisch aus-getauscht. Während zu Beginn der Entwicklung anfangs der 70er Jahre Electronic Data Interchange (EDI) noch als technische Spezialaufgabe verstanden wurde, hat sich die In-formationstechnologie in der Zwischenzeit so weit fortentwickelt, dass die Frage der tech-nischen Machbarkeit und Umsetzung in den Hintergrund gerückt ist. Die technischen As-pekte sind inzwischen beherrscht, neue Aspekte von EDI treten in den Vordergrund. Dazu gehört das Verstehen von EDI als eine "informationstechnische Unterstützungsfunktion zur Neugestaltung von Geschäftsprozessen" [Seff96, S. 2]. Damit verbunden sind verschiedene organisatorische Fragestellungen und Aspekte der Zusammenarbeit mehrerer mittels EDI vernetzter Unternehmen. Einher gehen im idealen Anwendungsfall verschiedene Stufen der Integration von EDI in die Geschäftsprozesse des eigenen sowie der kooperierenden Un-ternehmen.
Aus der Sicht eines Unternehmens sind damit viele Vorteile verbunden; der Einsatz von EDI bringt jedoch auch eine Vielzahl von Risiken mit sich. Dazu gehören nicht nur die üblichen Risikopotentiale auf technischer Ebene, wie sie  typischerweise in allen Informations- und Kommunikationssystemen auftreten (Fragen der Übertragungssicherheit, der Vertrau-lichkeit, der Datenintegrität etc.). Durch Kooperationen mittels EDI entstehen zwischen den Unternehmen auch zahlreiche ökonomische Risiken. Diese beziehen sich beispielsweise auf Fragen der Kooperation und Abhängigkeit von Unternehmen oder auch auf rechtliche Unsi-cherheiten. Neben diesen aus den Umweltbeziehungen eines Unternehmens entstehenden Risiken müssen auch unternehmensinterne, die Ablauf- und Aufbau-Organisation des Un-ternehmens betreffende Risikopotentiale beachtet werden. Beispielsweise sind Lösungen für eine Aufrechterhaltung der internen Kontrollmechanismen zu suchen. Auch Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des EDI-Einsatzes unter Einbezug möglichst aller Bestimmungsfak-toren (Abschätzung zukkünftiges Potential von EDI, Entwicklung der EDI-Partnerschaften etc.) müssen gemacht werden.
In klassischen Risikomodellen und Sicherheitspolitiken werden solche Risiken ökono-mischer Art kaum untersucht; sie spezialisieren sich auf Risiken in technischen Bereichen. Hier will diese Semesterarbeit ansetzen. Mit der Erstellung eines Risikoframeworks für die Einführung und den Einsatz von EDI soll der Blickwinkel ausgeweitet werden und neben den technischen Risiken auch Risiken auf anderen Ebenen in einem Rahmenkonzept posi-tioniert werden. Neben einer Analyse der technischen Risiken bilden deshalb Fragen zu Risiken auf der organisatorischen Ebene sowie zu Risiken bezüglich des Unternehmensum-felds die Grundlage des Risikoframeworks.
 

1.2 Übersicht über die Arbeit

Die vorliegende Semesterarbeit will die mit dem EDI-Einsatz verbundenen technischen und ökonomischen Risiken beschreiben und analysieren. Dazu werden diese klassifiziert und in ein Framework eingeordnet.
Dem Framework vorangestellt ist ein Abschnitt über in der Arbeit verwendete begriffliche Grundlagen und Zusammenhänge (Kapitel 2). Neben einer umfassenden Definition des Be-griffs EDI werden in separaten Kapiteln EDI-Standards (Kapitel 2.2) und mittels EDI real-isierbare Kooperationsformen (Kapitel 2.3)  vorgestellt. Kapitel über Risiko-Management-Konzepte (2.4) sowie über die Anwendbarkeit bereits bestehender Frameworks (2.5) für die Analyse von Risiken beim EDI-Einsatz schliessen den Einleitungsteil ab.
Der Hautpteil, Kapitel 3 der Arbeit, stellt das Framework zur Analyse der Risiken beim Ein-satz von EDI dar. Diese umfasst dabei in seiner Grobstruktur die drei Bereiche

· Umfeld des Unternehmens (Kapitel 3.1),
· Organisatorische Aspekte (Kapitel 3.2) sowie
· Informations- und Kommunikationssysteme (Kapitel 3.3).

Im ersten Teil, Kapitel 3.1.1 und 3.1.2, werden dabei Risiken untersucht, die aus dem Fragenkomplex über Kooperation und Abhängigkeit entstehen. Kapitel 3.1.3 geht rechtli-chen Fragestellungen und daraus erwachsenden Risiken nach, ein Kapitel über externe Bedrohungen (3.1.5) schliesst den ersten, das Unternehmensumfeld analysierenden Teil ab.
Im Abschnitt 3.2 werden organisatorische Aspekte bezüglich der Risiken eines EDI-Ein-satzes betrachtet. Nach der Analyse der möglichen Auswirkungen von EDI auf die Organi-sation eines Unternehmens (3.2.1) wird anschliessend auf das Management eines EDI-Pro-jektes eingegangen (3.2.2). In den folgenden zwei Kapiteln werden Überlegungen zum Auditing in einem EDI-Umfeld (3.2.3) sowie zur Wirtschaftlichkeit von EDI-Projekten (3.2.4) angeführt.
Ausführungen zu Risiken und Sicherheit der IT- und Kommunikationseinrichtungen kom-men im dritten Teil des Frameworks zur Sprache. In einem ersten Kapitel (3.3.1) werden Risiken dargestellt, die aus EDI als "low complex technology" und aus der technischen In-tegration in die Anwendungssysteme entstehen. Ein zweites Kapitel (3.3.2) deckt das breite Feld der Standards für EDI ab. Den Abschluss der Betrachtung der technischen Aspekte eines EDI-Einsatzes machen Risiko-Überlegungen zur Datenübertragung und -sicherheit.
In einem Schlussteil (Kapitel 4) werden zukünftige Entwicklungen, insbesondere der Einsatz der Internet-Technologien, aufgezeigt.
 
 

  2 Grundlagen und Zusammenhänge

Im zweiten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen und Konzepte zur Analyse der Risiken bei der EDI-Einführung dargelegt. Nach einer Definition des Begriffes "EDI" und der dazugehörigen Standards werden mögliche EDI-Kooperationsformen vorgestellt. Anschlies-send wird der Begriff des Risikos ausführlich betrachtet. Daraus leiten sich die grundlegenden Ausführungen zum Management von Risiken ab. Ein Überblick über bereits existierende Frameworks im EDI- und/oder Risiko-Bereich sowie eine Einordnung dieser in den unter-suchten Zusammenhang schliesst das Kapitel 2 ab.
 
 

2.1 Electronic Data Interchange (EDI)
 

Definition

Unter dem Begriff EDI (Electronic Data Interchange) wird der unternehmensweite Austausch von Geschäftsdaten zwischen Computern in einer standardisierten, maschinenlesbaren Form verstanden [vgl. Emme90, S. 4]. "Es handelt sich dabei um den automatisierten Austausch von Geschäftsdaten zwischen EDV-Anlagen über Telekommunikationsnetze und unter Ver-wendung von strukturierten, standardisierten Formaten für die zu übertragenden Informa-tionen" [Fisc94, S. C414.09].
Daraus lässt sich ableiten, dass EDI zum Ziel hat, Anwenderprogramme bzw. Computersys-teme als Sender und Empfänger von Nachrichten anstelle von Menschen einzusetzen. Somit wird ein Medienbruch verhindert und eine schnellere, genauere Übertragung von strukturier-ten Daten zwischen Unternehmungen erreicht.
Damit die automatisch gesendete Nachricht bei beiden Kommunikationspartnern gleich in-ter-pretiert wird, d.h. die gleiche  Sinnbedeutung gewahrt ist, muss Inhalt und Form der EDI-Nachricht stark strukturiert sein. Das wiederum bedeutet, dass für jedes Feld der elek-tronischen Nachricht eine eindeutige Bedeutung vereinbart wird. Diese Bedeutung ist in sogenannten Standards festgelegt, auf deren Funktion und Bedeutung im Kapitel 2.2 (Standards für EDI) eingegangen wird.
 

Abgrenzungen

EDI ist von der elektronischen Kommunikation mittels unstrukturierter Nachrichten abzu-gren-zen. Unstrukturierte Nachrichten zeichnen sich dadurch aus, dass die Darstellung ihres Inhalts an keine detaillierten Formvorschriften gebunden ist. Als Beispiele können der Aus-tausch von E-Mails über das Internet, das Versenden von beliebigen Dateien via den Internet-Dienst FTP (File Transfer Protocol) oder ältere Techniken wie die Faxübertragung genannt werden.
EDI muss zudem von anderen Formen der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit, beispielsweise elektronischen Märkten, abgegrenzt werden. Darauf wird detailliert im Kapitel 2.3 (EDI und Kooperation) eingegangen.
 

Das EDI-System

Um EDI in einem Unternehmen einsetzen zu können, braucht es ein EDI-System, das aus Software- und Hardware-Komponenten besteht. Zudem müssen die partizipierenden Un-ternehmen bzw. deren EDI-Systeme durch ein Netzwerk physisch verbunden sein.
Bezüglich Software können in einem EDI-System folgende Kern-Komponenten unter-schieden werden [Marc93, S. 16f]:

· Telekommunikations-Software übernimmt und kontrolliert die eigentliche Übertragung der EDI-Meldungen. Verbindungsaufbau, Aufzeichnen der Aktivitäten in einem Log-File sowie beschränkte Funktionalität zur Fehlererkennung sind Aufgaben dieser Software-Kompo-nente in einem EDI-System.
 
· Translations- (Konverter-) Software nimmt eine zentrale Rolle in einem EDI-System ein. Dieses Software-Modul übersetzt Daten, die von der Anwendungssoftware erzeugt wurden, von einem unternehmens-spezifischen Format in ein breiter akzeptiertes Standard-Format, beispielsweise EDIFACT oder ein branchendefiniertes Format. Beim Empfangen von EDI-Nachrichten spielt sich der Übersetzungs-Prozess in umgekehrter Reihenfolge ab. Die Translations-Software ist somit Verbindungsstück zwischen der Anwendungs- und Kom-munikationssoftware im Unternehmen. Anstatt vom Unterneh-men selbst können die Translations-Funktionen auch von einem EDI-Provider übernommen werden

· Interne Applikationen (Anwendungs-Programme) liefern den Dateninput an das EDI-Sys-tem und nehmen vom EDI-System ankommende Daten zur Weiterverarbeitung auf. Sie ge-hören somit zwar nicht direkt zum EDI-System, meist sind jedoch Anpassungen oder Er-weiterungen an den bestehenden Applikationen im Unternehmen nötig. Dies vor allem, um die ein- und ausgehenden Meldungen möglichst automatisch in die internen Applika-tionen des Unternehmens integrieren und somit automatisch weiterverarbeiten zu können.

Bezüglich Hardware werden, je nach Anforderungen und Ausmass des EDI-Einsatzes, in der Praxis verschiedene Lösungen eingesetzt. Emmelhainz unterscheidet grundsätzlich drei Möglichkeiten: Der Einsatz eines Grosscomputers (Mainframe), eines Mikrocomputers (PC) oder eines PC als Benutzer-Schnittstelle zu einem Mainframe. [Emme90, S. 97] Daneben sind bezüglich Hardware noch das firmeninterne Netzwerk sowie evtl. weitere Komponenten zur Kommunikation (z.B. Modem) erforderlich. Hardwareseitig sind demnach die meisten Kom-ponenten oft bereits im Unternehmen vorhanden.
 

Kommunikationsmöglichkeiten

Der Empfänger einer EDI-Nachricht kann entweder direkt der gewünschte Kommunika-tionspartner (Unternehmen) sein oder aber ein sogenannter EDI-Service-Provider, der ein "value-added-network" (VAN) unterhält. Insgesamt können grundsätzlich vier verschiedene Typen von EDI zugrundeliegenden Netzwerken unterschieden [Salt93, S. 31f]:

1. Point-to-Point: Bei dieser Variante kommunizieren zwei Handelspartner über eine direkte Verbindung. Diese kann entweder über ein Wählleitung (mit einem Modem) aufgebaut werden oder aber permanent bestehen (Stand- bzw. Mietleitung). Generell empfiehlt sich eine Punkt-zu-Punkt Verbindung nur, "wenn grosse Datenvolumen mit einer geringen Anzahl von Part-nern ausgetauscht werden" [Häus93, S. C516.07]. Bei steigender Zahl von Teilnehmern am EDI-Netzwerk steigt auch die Komplexität des gesamten Netzwerkes an, was wiederum hohe Unterhaltskosten zur Folge hat. Auf Studien abgestützt empfiehlt Emmelhainz den Ein-satz von Punkt-zu-Punkt Verbindungen bis zu höchstens sechs Teilnehmern.
 
 

2. Value-Added-Network (VAN): Als zweite Verbindungsmöglichkeit können die Handelspartner ein VAN benutzen. Hinter dem Value-Added-Network steht ein EDI-Service Provider (EDI-Dienstanbieter), der verschiedene Dienste übernimmt, die die Kommunikation unter den an das VAN angeschlossenen Partnern vereinfachen. Wie aus Fig. 1.2 zu erkennen ist,  werden sämtliche EDI-Nachrichten aller Teilnehmer beim Service-Provider zentral ge-sammelt. Dieser unterhält für jeden Teilnehmer eine Art elektronischen Briefkasten (Mailbox), in die die ankommenden Meldungen zum Abholen bereitgestellt werden. Durch die zentralis-ierte Struktur über einen EDI-Provider mit Verteil- und Vermittlungsfunktion wird die Kom-plexität vor allem bei vielen Teilnehmern entscheidend reduziert. Zudem lassen sich neue Un-ternehmen problemlos an das Netzwerk anschliessen.
Häussler definiert das VAN abstrakt als "generalisiertes System, das die unterschiedlichen Hard- und Softwareprobleme löst und die Anpassung an organisatorische, unternehmensspezi-fische Voraussetzungen erlaubt" [Häus93, S. C516.06]. Dazu gehört beispielsweise die Kon-vertierung von verschiedenen EDI-Formaten  Ebenfalls bedeu-tungsvoll im Zusammenhang mit dem Hauptthema dieser Arbeit sind verschiedene vom EDI-Service-Provider angebotene Si-cherheitsdienste oder auch das vorhandene Fachwissen über EDI. Darauf sowie auf eine detail-liertere Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen eines VANs wird an verschiedenen Stellen im Hauptteil (Kapitel 3) näher eingegangen.
Neben den Begriffen "VAN" und "Service-Provider" findet sich vor allem im deutschen Sprachraum auch der Begriff "Clearing Center".
 

3. Zwei VANs: Zwei Handelspartner können unterschiedliche VANs bzw. EDI-Service-Pro-vider einsetzen. In diesem Fall ist eine Verbindung der beiden VANs notwendig. Dies geschieht typischerweise über einen sogenannten Gateway, der den Datenaustausch zu einem andersartigen Netzwerk ermöglicht.
 

4. Dedicated Network: Bei dieser Möglichkeit bauen die EDI-Partner eigens für den elek-tronischen Datenaustausch ein Netzwerk auf. Die Initiative zu einem "dedicated network" geht dabei meist von einem dominierenden EDI-Partner aus, der das Netzwerk aufbaut, be-treibt und die angeschlossenen Unternehmen fachlich betreut. Dadurch, dass das EDI-Netzwerk von einem teilnehmenden EDI-Partner selbst aufgebaut und auch unterhalten wird, unterscheidet es sich von einem VAN gemäss den oben dargestellten Varianten 2 und 3: dort schliessen sich alle EDI-Partner an ein externes Netzwerk an. Physisch besteht jedoch zwischen den Varianten 3 und 4 (VANs) und dem Dedicated Network kein Unterschied.
 

 2.2 Standards für EDI
 

Grundlage für EDI sind einerseits verschiedene Standards, die die Struktur der EDI-Nachrich-ten festlegen. Dies ist erforderlich, damit zwei oder mehr Kommunikationspartner einer EDI-Nachricht eindeutig dieselbe Bedeutung zuordnen. Andererseits müssen auch Standards bezüglich der Kommunikation (Kommunikationsprotokolle) vorhanden sein.
Nachdem sich in den Anfängen von EDI vor allem Branchenstandards (z.B. ODETTE, einge-setzt in der europäischen Automobilindustrie) etablierten, wurde 1978 in den USA der ANSI-Standard X.12 definiert. Somit war erstmals ein industrieübergreifender, einheitlicher Standard geschaffen.
UN/EDIFACT

In den 80er Jahre wurden unter der Schirmherrschaft der UNO-Wirtschaftskommission und der ISO (International Standardisation Organisation) auf der Grundlage von ANSI X.12 die Arbeiten für einen weltweiten, für alle Industrien einsetzbaren EDI-Standard aufgenommen. Entstanden ist der UN/EDIFACT-Standard (United Nations/Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport). Der ausführliche Standard umfasst unter anderem generisch vordefinierte Standardnachrichten, EDIFACT-Syntaxregeln, Datenelemente und Segmente, verschiedene Code-Listen sowie einheitliche Durchführungsregeln für den Daten-austausch via Telekommunikation [Sike96b, S. 6]. Beim EDIFACT-Standard wird eine EDI-Nachricht (z.B. eine Bestellung) in Segmente  und Datenelemente strukturiert. Die Form der EDI-Nachricht wird durch eine festgeschriebene Syntax eindeutig definiert.
Folgende Gegenüberstellung  (Fig. 1.4) verleicht die Struktur bzw. die Elemente von EDI-Meldungen mit einem Formular, wie es einer EDI-Nachricht in Papierform zugrunde liegen kann und mit normalem Text.
 
 
EDIFACT  Formular  Normaler Text
Nachrichten  Formulare  Paragraphen, Kapitel
Segmente  Formularbereich  Sätze
Datenelemente  Formularfelder  Wörter
Syntax  Formularkonventionen  Grammatik 
Fig. 1.4: Vergleich von EDIFACT-Meldung, Formular und Normaltext [Sike96b, S. 7].
 

Innerhalb des EDIFACT-Standards existieren verschiedene Subsets, die für bestimmte Branchen weiterentwickelt wurden. Mittels EDIFACT bzw. den erwähnten Untermengen (Subsets) davon "lässt sich  die Mehrzahl der heute als Formulare gängigen Geschäfsinfor-ma-tionen abbilden" [Sike96b, S. 6].

Die oben dargestellten Standards (EDIFACT, ANSI X.12 etc.) beziehen sich alle auf die In-halts- und Struktur-Ebene der EDI-Nachricht. D.h., mit den EDI-Standards wird sowohl die Struktur von Daten- und Dateien standardisiert (Zeichenlänge, Datentypen etc.) als auch als auch implizit eine Übereinstimmung auf der semantischen Ebene erreicht, da für jedes Datenelement eines EDI-Standards dessen Inhalt klar definiert ist. Trotzdem kann in Aus-nah-mefällen nicht verhindert werden, dass zwei Partner unter einer ausgetauschten EDI-Nachricht verschiedene Inhalte verstehen [Sand88, S. 73].
 

Kommunikations-Standards

Der semantischen Ebene und der Ebene der Daten- und Dateiformate liegt die Kommunika-tionssebene zugrunde. Sie regelt die direkte Übertragung der Daten unabhängig von der Be-deutung der Daten. Stark verbreitet im Einsatz ist X.25, ein paketvermittelnder Übertra-gungsdienst, der auf OSI (Open Standards Interconnection) der ISO (International Standardi-zation Organization) basiert. Neben vielen weiteren Übertragungsmöglichkeiten, die im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter interessieren, findet der Einsatz von ISDN (Integrated Services Digital Network) heute vermehrt Verbreitung.
Auf die Übertragungsebene bauen weitere Protokolle auf, die der Übermittlung und Organi-sation von Nachrichten dienen (Message Handling). Ein häufig im Zusammenhang mit EDI verwendeter Standard ist diesbezüglich X.400, eine Serie von Protokollen der OSI-Reihe [Tall93, S. 27]. Aufgrund der nur unbefriedigenden Eignung von X.400 zur Übertragung von EDI-Nachrichten wurde darauf aufbauend der Standard X.435 spezifiziert. X.435, auch bekannt als "PEDI", beschreibt die Struktur des Inahalts einer EDI-Meldung. X.435 er-möglicht, bildlich gesprochen, das Einstecken einer EDI-Nachricht in einen X.400 Briefumschlag.  Da X.435 nicht an einen bestimmten EDI-Standard gebunden ist, können be-liebige EDI-Formate wie EDIFACT, ANSI X.12 u.a. übertragen werden. Neben zahl-reichen EDI-spezifischen Funktionen, die in das X.435-Protokoll integriert wurden, interess-ieren im Kapitel 3.3.3 (Datenübertragung und -sicherheit) insbesondere eingebaute Sicher-heitsfunktionen.
 
 

 2.3 EDI und Kooperation

"Kooperation wird als geregeltes, auf das Erreichen eines gemeinsamen Ziels hin gerichtetes Zusammenwirken von Personen verstanden" [Grim94, S. 76]. EDI ersetzt dabei wenigstens Teile der herkömmlichen Kommunikationsformen (Telefon, Brief, Fax etc.) zwischen Un-ternehmen mit einem automatisierten, strukturierten Datenaustausch. Diese mittels Informa-tionstechnologie (IT) unterstützte Zusammenarbeit wird in der Literatur mit verschiedensten Begriffen umschrieben: "Value-adding Partnerships", "Inter-organizational Systems", "Information Partnerships" oder "Electronic Integration" sind Beispiele, die die begriffliche Vielfalt und Uneinigkeit zeigen [Bens94, S. 450].
Die hier vorgestellten Kooperationsformen bilden die Grundlage für die Ausführungen zum Kapitel 3.1.1 (Kooperation und Abhängigkeit).
 

Überblick über mögliche, EDI-unterstützte Kooperationsformen

Zur Einordnung der verschiedenen, durch EDI unterstützten Kooperationsformen existieren verschiedene Konzepte und Sichtweisen. Kilian unterscheidet beispielsweise aufgrund des zu-grundeliegenden Integrationsgrades "marktliche Austauschbeziehungen, Kooperations-formen sowie vertikale Beherrschungsformen" [Kili94, S. 74]. Die meisten Autoren lehnen sich bezüglich der Klassifikation an ein Kontinuum der Strukturen für EDI-Geschäftsabwick-lungen von rein marktlichen Formen über Zwischenformen wie netzwerkartige Kooperations-formen bis zu rein hierarchischen Formen an [Holl94, S. 412ff].
Als zweites Klassifikationsmerkmal wird in Fig. 2.1 die wirtschaftliche Selbständigkeit auf-ge-führt. Diese Dimension sol l den Grad der wirtschaftlichen Abhängigkeit schwächerer EDI-Partner von einem oder mehreren dominierenden Partnern zeigen.
In  der weiter unten aufgeführten Fig. 2.1 werden die folgenden Formen unterschieden und kurz beschrieben:

· Elektronische Hierarchien: "Eine elektronische Hierarchie stellt eine längerfristig geschloss-ene, elektronische Integration der Informationsverarbeitung zwischen zwei rechtlich selbständigen Unternehmen dar, an der andere Unternehmen nicht unmittelbar partzipieren können" [Neub94, S. 52f] Kennzeichen sind unter anderem die wiederholten Transaktionen im Zuge gemeinsamer Aufgabenbewältigung sowie intensive und beständige Geschäfts-beziehungen. Oft sind es von einem Partner beherrschte (hierarchische) Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Produzent und Lieferant. Neuere Konzepte wie die forcierte Auslagerungsbestrebungen im Rahmen von Just-in-Time kön-nen dabei zu mehrstufigen elektronischen Zulieferhierarchien führen. Für solche zeit-kritischen Konzepte wie Just-in-Time Fertigung ist EDI ein unabdingbares Kommunika-tionsmittel.
Sowohl Produktions-Konzepte wie auch die starke Integration zwischenbetrieblicher Com-putersysteme und Geschäftsprozesse können Ursachen für die Bildung elektronischer Hier-archien sein. Neuburger spricht dann von einem "electronic integration effect" von EDI [Neub94, S. 50].
Verschiedene Formen von elektronischen Hierarchien sind speziell in der Automobilin-dustrie festzustellen [Kili94, S. 323].
Die organisatorisch-technischen Verflechtungen in elektronischen Hierarchien können soweit führen, dass ein Unternehmen im Rahmen langfristiger Lieferbeziehungen eine wirt-schaftliche Abhängigkeit erlangt und damit zum grösstenteils seine Selbständigkeit verliert. Neuburger und Kilian sprechen dann von einem "faktischen Konzern", der ent-steht [Neub94, S. 122f; Kili94, S. 208f]. Die abhängigen Unternehmen nehmen dabei den Verlust an Selbständigkeit zur Sicherstellung der weiteren Geschäftsabwicklung in Kauf; als Alter-native bleibt ihnen oft nur der vollständige Abbruch der Geschäftsbeziehungen.

· Netzwerkartige Kooperationsformen: Mittels einer Verbindung verschiedener gleich-berechtigter Partner entstehen "EDI-Netze". Oft handelt es sich dabei um eine Verbindung verschiedener Partner mit häufigem Informationsaustausch, beispielsweise zwischen In-dustriebetrieb, Banken, Versicherungen, Speditionen oder öffentlicher Verwaltung. Da es sich dabei um gleichberechtigte Partner handelt, können kaum hierarchischen Formen ent-stehen [Kili94, S. 50 und S. 323].
Ebenfalls in die Kategorie der netzwerkartigen Kooperationsformen können "operative Netzwerke" eingeordnet werden. Hier bildet eine grössere Anzahl von Unternehmen einen Verband; strategisch nicht bedeutende Funktionen werden auf hierfür spezialisierte Ver-bandsunternehmen ausgelagert. [Kili94, S. 95]
Neben den operativen Netzwerken unterscheidet Neuburger auch "strategische Netzwerke" und "kooperative Netzwerke". In strategischen Netzwerken übernimmt ein Unternehmen die strategische Führung im Netzwerk. Meist basiert diese Kooperationsform jedoch nicht auf EDI und ist daher in diese Zusammenhang nur beschränkt von Interesse. Auch in kooperativen Netzwerken spielt die EDI-Unterstützung eine untergeordnete Rolle. Ver-standen wird unter kooperativen Netzwerken beispielsweise die zwischenbetriebliche Koop-eration im Forschungs- und Entwicklungsbereich [Neub94, S. 139ff].
Eine letzte, zur Zeit stark diskutierte Form von kooperativen Netzwerkstrukturen sind die virtuellen Unternehmen. "Ein virtuelles Unternehmen ist eine Kooperatonsform rechtlich unabhängiger Unternehmen, Institutionen und/oder Einzelpersonen, die eine Leistung auf der Basis eines  gemeinsamen Geschäftsverständnisses erbringen. Die kooperierenden Ein-heiten beteiligen sich and er Zusammenarbeit vorrangig mit ihren Kernkompetenzen und wirken bei der Leistungserstellung gegenüber Dritten wie ein Unternehmen. Dabei wird auf die Institutionalisierung zentraler Managementfunktionen zur Gestaltung, Lenkung und Entwicklung des virtuellen Unternehmens durch die Nutzung geeigneter Informations- und Kommunikationstechnologien weitgehend verzichtet" [Fisc96, S. 40]. Ziel eines virtuellen Unternehmens ist im Normalfall das Ausnützen von zeitlichen beschränkten Marktpoten-tialen. Daher führen virtuelle Unternehmen tendenziell zu kürzer dauernden Koopera-tionen.
Unterstützt werden die verschiedenen Formen netzwerkartiger Kooperationsformen (Operative Netze, Strategische Netze, Virtuelle Unternehmen) unter anderem von neueren Tendenzen und Konzepten wie "Outsourcing" (Auslagerung von Unternehmensfunktionen, die nicht auf Kernkompetenzen beruhen) oder "Lean Management" (Schaffung schlankerer Unternehmensstrukturen) [Neub94, S. 139].
Bei den verschiedenen Formen netzartiger Kooperationen schafft EDI jeweils die Voraus-setzungen auf der IT-Seite. Die Kooperationsform bewegt sich dabei im Mittelfeld des Kontinuums zwischen Hierarchie bzw. Markt (vgl. Fig. 1.5).

· Elektronische Märkte: "An electronic market system is an interorganizational information system that allows the participating buyers and sellers to exchange information about prices and product offerings" [Bako91, S. 296]. Sie sind eine geeignete Struktur für den häufigen Austausch standardisierter Güter und Leistungen. Die Geschäftsbeziehungen sind eher flexibel. Charakteristisch ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage, das den Preis des auf dem elektronischen Markt gehandelten Gutes bestimmt.
Elektronische Märkte können unter anderem mittels EDI-Unterstützung realisiert werden. Neben dem Einsatz von EDI erleichtert vor allem der Einsatz von offenen Systemen den Zugang zu Elektronischen Märkten.
 
 

EDI-Kooperationsformen in der Praxis

Die Literatur ist sich uneins, ob der praktische Einsatz von EDI die zwischenbetrieblichen Kooperationsformen eher Richtung Markt oder Richtung hierarchische Formen verschiebt. Wird eine Verschiebung Richtung elektronischer Hierarchie angenommen, so wird gleichzeitig auch eine Verringerung der Geschäftsbeziehungen propagiert oder sogar in Studien festgestellt [Emme90, S. 38]. Mit den relativ wenigen Partnern wird dann eine engere und langfristige Geschäftsverbindung angestrebt. Meistens werden diese engeren Bindungen von den be-teiligten Unternehmen als vorteilhaft gesehen, wie beispielsweise eine englische Studie zeigt [Cox96, S. 26]. Allerdings resultieren aus einer engen wirtschaftlichen Bindung der Un-ternehmen auch verschiedene Risikopotentiale, die es im Kapitel 3.1.1 (Kooperation und Ab-hängigkeit) zu untersuchen gilt.
Im Gegensatz zur Bildung von hierarchischen Strukturen durch den Einsatz von EDI wird in der Literatur auf den erhöhten Wettbewerb verwiesen, der dank dem verbreiteten Einsatz von EDI möglich ist. Dies kann das Entstehen von elektronischen Märkten fördern. Als Gründe dafür werden unter anderem die tieferen Transaktionskosten angegeben [Giam95, S. 32]. In der Praxis allerdings haben Studien in Deutschland gezeigt, das der "Wunsch nach flexiblen Geschäftsbeziehungen gering" ist, d.h., ein marktmässiges Aushandeln mittels EDI ist kaum erwünscht [Kili94, S. 319f].
Die gleiche Studie kommt zudem zum Schluss, dass die Zukunft der EDI-Praxis wohl in einer Form zwischen Markt und Hierarchie liegen wird: "Die zunehmende Bedeutung zwischen-be-trieblicher Koordinationsstrukturen wie auch die Bildung interorganisatorischer Netzstruk-turen zeigen einen steigenden Trend in Richtung Koordinationsmechanismen, die zwischen Markt und Hierarchie anzusiedeln sind. Sie tendieren einerseits mehr in Richtung von Marktmecha-nismen, wie etwa Kooperationsverhältnissen. Die Hierarchiestrukturen entspre-chen anderer-seits eher den im Zuge von Beherrschungsverhältnissen entstehenden elek-tronischen Hierar-chien. Hier handelt es sich um längerfristige, elektronische und wirtschaftli-che Integration der Informationsverarbeitungssysteme zweier rechtlich selbständiger Un-ternehmen, an der andere Unternehmen nicht unmittelbar partizipieren können" [Kili94, S. 99].
 

 2.4 Risikomanagement und Sicherheit

Ziel diese Kapitels ist es, grundlegende Begriffe und Konzepte vorzustellen, auf denen die fol-genden Hauptteile aufbauen können. Dabei werden, soweit für das weitere Verständnis der Arbeit nötig sind, Zusammenhänge zwischen den Begriffen Risiko, Sicherheit, Bedrohung, Ri-siko-analyse und -management geschaffen und erklärt.
 

Risiko

Unter dem Begriff "Risiko" wird allgemein die "Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines uner-wünschten Ereignisses ("Bedrohung") in einem bestimmten Zeitraum und der mit diesem Er-eignis verbundene Schaden, also die Wahrscheinlichkeit mal Schadenshöhe" verstanden [Hein92, S. 405]. Risiko bezeichnet also im wesentlichen das Produkt "aus dem beim Ereig-niseintritt zu erwartenden Schadensausmass sowie der zu erwartenden Häufigkeit eines ge-fährdeten Ereignisses" [Kyas96, S. 21].

Unterschieden werden können Aktionsrisiken und Bedingungsrisiken [Bauk95, S. 53]. Letz-tere werden auch als "reine Risiken" bezeichnet und umfassen Naturereignisse, menschliches Fehl- Verhalten sowie technisches Versagen. Die Folgen von Bedingungsrisiken können durch ge-eigne-te Prävention gemildert werden und sind auch teilweise versicherbar. Bedingungsrisiken zeichnen sich weiter dadurch aus, dass bei ihrem Vorhandensein nur Ver-luste, jedoch keine Gewinne wie bei den anschliessend aufgeführten Aktionsrisiken möglich sind. In dieser Arbeit spielen Bedingungsrisiken eine untergeordnete Rolle; ihnen ist das Kap-itel 3.1.5 (Externe Bedrohungen) sowie zum Teil Kapitel 3.3.3 (Datenübertragung und -sicher-heit) gewidmet.
Die zweite Risikokategorie, die schwerer handhabbaren Aktionsrisiken (Wagnisrisiken) um-fassen Veränderungen in bezug auf das politische, soziale, wirtschaftliche und technologische Umfeld. Im Gegensatz zu den Bedingungsrisiken sind Aktionsrisiken nicht versicherbar und haben spekulativen Charakter. Die ebenfalls verwendete Bezeichnung "Wagnisrisiken" deutet an, dass beim Vorhandensein dieser Risikoart sowohl Gewinne als auch Verluste möglich sind. Ein bewusstes Eingehen dieser Risiken bzw. "Wagnisse" eröffnet somit nicht nur Ver-lust- sondern vor allem auch erhofftes Gewinn-Potential. Ausser den oben angegebenen Teilen weisen alle im folgenden dargestellten Framework aufgeführten Risiken eindeutig den Charak-ter von Aktionsrisiken auf.
Es entspricht dem Charakter wirtschaftlichen Handelns, dass jede Handlung mit einem (Aktions-)Risiko verbunden ist. Die wirtschaftliche Handlung ist im Falle dieser Arbeit die Einführung von EDI in einem Unternehmen, die daraus entstehenden Aktionsrisiken werden im Risikoframework analysiert.
 

Sicherheit

Unter Sicherheit ("Security") wird in der allgemeinen Definition "die Eigenschaft, das Ent-stehen von Gefährdungszuständen vermeiden, entstandene Gefährdungszustände erkennen und ihre Auswirkungen verhindern oder zumindest einschränken zu können" verstanden [Hein92, S. 224]. Mittels Sicherheitsmassnahmen und Sicherheitstechniken wird versucht, einen höheren Grad von Sicherheit für ein Objekt (z.B. ein EDI-System) zu erlangen. Ent-gegen der klas-sischen Annahmen, es existiere eine 100prozentige Sicherheit, kann bei offenen Systemen, wie es insbesondere EDI eines ist, nie von vollständiger Sicherheit ausgegangen werden. Ein Grund dafür ist insbesondere die Unmöglichkeit, in so einem komplexen, möglicherweise globalen EDI-System, im voraus alle Gefahren zu spezifizieren und ent-sprechende Gegenmassnahmen einzurichten [Grim94 S. 13]. Das nach Einsatz aller Sicher-heitsmassnahmen verbleibende Risiko wird als Rest-Risiko ("Residual Risk") bezeichnet.

Folgende Sicherheits-Ziele wollen in einem technischen System erreicht werden [Grim94, S. 30]:

· Vertraulichkeit (Confidentiality): Unter Vertraulichkeit wird ein unbefugter Informations-gewinn verstanden [Grim94, S. 31]. Dieser kann beispielsweise durch eine Verkehrsana-lyse des Datenflusses über eine Kommunikationsleitung oder durch deren Beobachtung bzw. Abhören er-folgen.

· Integrität (Integrity): Mit Integrität wird die Eigenschaft bezeichnet, dass Daten nachweis-bar frei sind von Modifikation. Die Modifikation kann dabei aus böswilliger Absicht er-folgen oder auch aufgrund technischer Fehler entstehen.
 
· Verfügbarkeit (Availability): Verfügbarkeit bezeichnet die Eigenschaft eines Systems, auf Verlangen eines Berechtigten verfügbar und benutzbar zu sein [ISO1, S. 3].
 
· Verbindlichkeit  (Nicht-Abstreitbarkeit, Unwiderrufbarkeit, Non-Repudiation): Unter dem Begriff Verbindlichkeit wird die Gewährleistung verstanden, "dass keiner der Kommuni-kationspartner seine Teilnahme an der Kommunikation bestreiten kann" [Muel95, S. 119]. Nicht-Abstreitbarkeit bezeichnet dabei die Voraussetzung für die Verbindlichkeit elektro-nischer Dokumente. Unterschieden werden kann zwischen dem Bestreiten des Sendens oder dem Bestreitens des Empfangens einer Nachricht. Beides verletzt die Verbindlichkeit.
 
· Authentizität (Authentisierung, Authenticity): Die Authentizität ist eine Eigenschaft, die die Echtheit einer behaupteten Identität eines Kommunikationspartners oder einer Daten-quelle garantiert. Authentizität bezieht sich auf verschiedene Entitäten wie beispielsweise Be-nutzer, Prozesse, Systeme und, im Fall von EDI-Systemen, insbesondere EDI-Nachrichten [Muel95, S. 119; ISO1, S. 3]. Unterschieden werden kann weiter zwischen der Authentizität des Inhalts und der Authentizität der Kommunikationspartner. Auf letz-teres bezieht sich die sogenannte Maskierung, das Vortäuschen falscher Identitäten.

Die hier dargestellten fünf Sicherheitsziele sind die Werte, die es im technischen Bereich von EDI vor verschiedenen Bedrohungen zu schützen gilt. Als solches bilden sie eine Art Frame-work, an dem sich insbesondere Kapitel 3.3.3 (Datenübertragung und -sicherheit) ausrichten wird.
 
 

Trustworthy System

Die oben angeführten Sicherheitsziele sind schützenswerte, abstrakte Informationswerte der IT-Sicherheit und als solche mit entsprechenden Sicherheitstechniken zu schützen [Grim94, S. 30].  Ein mit ausreichenden Grundfunktionen und Mechanismen der Sicherheitstechnik aus-gestattetes System wird als "sicheres System" oder "Trustworthy System" (vertrauenswürdiges Systems) bezeichnet. Diese Grundfunktionen sind [Bauk95, S.9]:

· Identifikation und Authentisierung,
· Rechteverwaltung,
· Rechteprüfung,
· Beweissicherung,
· Wiederaufbereitung,
· Fehlerüberbrückung,
· Gewährleistung der Funktionalität,
· Übertragungssicherung.

Vor allem im Kapitel 3.3 (Informations- und Kommunikationssysteme) wird aufgezeigt werden, wie diese Kriterien eines vertrauenswürdigen Systems beim Aufbau eines sicheren EDI-Systems umgesetzt werden können.
 

Bedrohungen

Wie bereits definiert wurde, heisst Sicherheit, Bedrohungen gegen ein System abzuwehren. Unter Bedrohung wird im Informatik-Umfeld "jede Art von Gefahr, die auf die Informa-tionsinfrastruktur einwirken und zu einem Schaden führen kann" verstanden [Hein92, S. 415].
Die Analyse und Positionierung der Bedrohungen, die einerseits auf das, gemäss dieser Defini-tion, technische EDI-System einwirken und der Bedrohungen, die andererseits nicht-tech-nischen Ursachen aufweisen, ist Hauptgegenstand dieser Arbeit.
Dabei wird im folgenden der Begriff Risiko (im eher umgangssprachlichen Sinn) als Syno-nym für den hier definierten Begriff Bedrohung verwandt und nicht streng definitorisch als das Pro-dukt aus Schadenshöhe und dessen Eintretens-Wahrscheinlichkeit.
 

Risikoanalyse

Die Risikoanalyse ist zentraler Bestandteil jedes Risikomanagement-Modells (siehe nächster Abschnitt). Ziel und Zweck einer Risikoanalyse ist es, spezifische unerwünschte Ereignisse (Bedrohungen) zu identifizieren, indem die möglichen Auswirkungen der erkannten Gefahren und Verwundbarkeiten festgestellt und analysiert werden [Hein92, S. 409]. Eine Risiko-Ana-lyse identifiziert Risiken, die in der Folge gemanagt werden müssen. Die analysierten Risiken beziehen sich auf die oben genannten Sicherheitsziele Integrität, Vertraulichkeit, Nicht-Abstreitbarkeit, Verfügbarkeit und Authentizität. Ein Risiko liegt vor, wenn mindestens eines diese Sicherheitsziele in irgendeiner Art nicht erfüllt wird.
Nach einer Abgrenzung des zu untersuchenden Risikobereichs folgt eine Erfassung der Risiken. Zwei häufig angewandte Methoden sind Szenarioanalysen und Simulationsstudien. Bei der Untersuchung eines Bereichs mittels Szenariotechnik werden hypothetische Ereig-nisse konstruiert und dessen Auswirkungen bezüglich Risiko- und Sicherheitsaspekten be-trachtet. Man beschränkt sich dabei auf die Erörterung von möglichst unterschiedlichen Fall-beispielen und kann so in relativ kurzer Zeit differenzierte Aussagen für verschiedene mögli-che Zu-kunftssituationen erhalten.
In Simulationsstudien hingegen wird der (oft technische) Analysebereich detailgetreu nach-gebildet ("simuliert"). Anhand des detaillierten Modells werden die Einwirkungen von Ge-fahrenquellen simuliert und analysiert. Der Aufwand von Simulationsstudien ist im allge-meinen grösser als das Arbeiten mit der Szenariotechnik und wird oft durch Software-Werkzeuge unterstützt [Kyas96, S. 22].
In der Risikoanalyse wird zudem versucht, die Risiken zu bewerten. Dabei wird einerseits das Schadensausmass im Falle des Eintreffens einer Bedrohung und andererseits die Eintretens-Wahrscheinlichkeit dieser Bedrohung berücksichtigt. Da die Kosten von Sicherheitsmass-nahmen sich meistens relativ einfach in Geldwerten angeben lassen, wird mit sogenannten kardinalen Bewertungskonzepten versucht, auch das Risiko entsprechend zu quantifizieren, um Vergleiche zu ermöglichen [Bauk94, S. 193]. Messgrössen beziehen sich dabei auf die pro Jahr durchschnittlich erwarteten Verluste bzw. Kosten (Annualized Loss Expectancy) oder auf den Totalverlust bei Eintreffen einer Bedrohung (Single-Occurrence Loss) [Salt93, S: 9f]. Kardinale Bewertungskonzepte bereiten in der Praxis erhebliche Probleme, sie sind aber dennoch häufig eine Forderung, wenn Sicherheitsinvestitionen mit einer quantitativen Aufstel-lung der Risiken gegründet werden müssen.
Traditionellerweise werden in der Literatur Risikoanalysen praktisch ausschliesslich für Bedingungsrisiken vorgenommen. Für Aktionsrisiken wären jedoch insbesondere Szenario-techniken wertvolle Instrumente zur Einschätzung der mit einer Handlung (Aktion) verbun-denen Risiken. Im Falle der Einführung von EDI wäre beispielsweise das Analysieren von Szenarien mit verschiedenen Partnern eine Möglichkeit der Anwendung. Schwierigkeiten ergeben sich jedoch bei der Risikoanalyse von Aktionsrisiken bezüglich der Bewertung. Beispielsweise wäre die Bewertung des Risikos, dass durch das Eingehen einer engen EDI-Partner-schaft die wirtschaftliche Unabhängigkeit abnimmt, sehr schwierig. Dies, weil die Aus-wirkungen von Aktionsrisiken meistens vieldimensional sind und sich nicht mit einfachen kar-dinalen oder ordinalen Masstäben messen lassen.
 

Risiko-Management

Bei der Vielzahl von existierenden Risiko-Management Modellen handelt es sich typischer-weise um Rahmenkonzepte zur möglichst vollständigen Erfassung der auf ein System (IT-System, Gebäude, Gesamtunternehmen etc.) einwirkenden Risiken. Zentraler Bestandteil des Risiko-Managements ist, nach einer Abgrenzung des zu untersuchenden Systems, die im vor-hergehenden Abschnitt beschriebene Risikoanalyse. Aufgrund der umfassenden Risikoanalyse werden, unter Berücksichtigung der grundsätzlichen verfolgten Risikopolitik des Un-ter-nehmens, Sicherheitskonzepte aufgestellt. Diese umfassen eine Definition der Schutzziele, eine Liste der möglichen Massnahmen, eine Kostenschätzung der Massnahmen, eine Ein-schätzung der erzielten Risikoreduktion sowie schliesslich eine Auswahl der umzusetzenden Massnahmen [Bauk91, S. 154].
Wie schon bei der Risikoanalyse stehen normalerweise auch beim Risikomanagement die Bedingungsrisiken im Zentrum der Betrachtungen. Für ein Risikomanagement im Sinne dieser Arbeit, das insbesondere auch ökonomische Risiken umfassen soll, muss das Risikomanage-ment auch auf Aktionsrisiken ausgeweitet werden.
Erklärtes Ziel des Risiko-Managements ist es, das Risiko auf ein individuell tolerierbares Restrisiko zu reduzieren. Dieses verbleibende Restrisiko wird vom Unternehmen bewusst in Kauf genommen. Es gilt dabei insbesondere, eine ökonomisch optimale Lösung zu finden zwischen einer (theoretisch unendlich teuren) perfekten, 100prozentigen Sicherheit und einem nicht-adäquaten Sicherheitslevel, der zu potentiell unnötig hohen Verlusten führt [Salt93, S. 7].
Allgemein gültige Strategien zum Umgang mit einem gegebenen Risikopotential richtet sich dabei an folgendem Raster aus:

 1. Risiko vermeiden,
 2. Risiko vermindern (Bedrohungen sichern, Verletzlichkeiten sichern),
 3. Risiko versichern (Überwälzen des Risikos),
 4. Risiko selbst tragen.

 Dieses "klassische" Vorgehen orientiert sich wiederum an Bedingungsrisiken. Im Falle der Aktionsrisiken muss zumindest der erste Schritt, das Vermeiden von Risiko aufgehoben werden, da sich Aktionsrisiken gerade in der Suche nach Risiken, die neue Geschäfts-möglichkeiten eröffnen können, begründet. Besondere Relevanz erhählt für Aktionsrisiken der zweite Schritt, das Vermindern von Risiken indem Bedrohungen und Verletzlichkeiten gesi-chert werden. Dieser Schritt wird im Risikoframework der vorliegenden Arbeit durch die jeweils aufgeführten "Massnahmen" repräsentiert.
 
 
 
 

2.5 Bestehende Frameworks

Unter dem Begriff Framework wird ein Rahmenmodell verstanden, mit dem verschiedene Facetten bzw. Aspekte eines abgegrenzten Problembereichs ausgeleuchtet werden können. Ein Framework ist problembezogen und kann im Anwendungsfall an die jeweilige konkrete Prob-lemstellung der Praxis angepasst werden [Hein92, S. 406].

Bezüglich des in dieser Arbeit behandelten Themas existieren verschiedene Frameworks, die jeweils jedoch nur unterschiedliche Teilgebiete abdecken. Sehr viele Frameworks behandeln das Risiko-Management allgemein oder bestimmte Bereiche davon. Das Risikomanagement als solches bietet unter anderem die Grundlage für das gesamte in dieser Arbeit vorgestellte Framework. Einleitend darauf eingegangen wurde bereits im Kapitel 2.4 (Risikomanagement und Sicherheit).
Ein zweites Gebiet, auf dem in der Literatur bereits diverse Frameworks existieren, betrifft das Risikofeld der IT-Sicherheit auf der technischen Ebene. Diese bereits existierenden Konzepte konnten teilweise an die Erfordernisse von EDI angepasst und im Kapitel 3.3 übernommen werden. Insbesondere wurde die in Sicherheitsframeworks übliche Gegenüber-stellung von Bedrohungen (Risiken) und Massnahmen konsequent als Gliederung in der ganzen Arbeit übernommen [Grim94, S. 35].
 

Frameworks der IT-Sicherheit

Eines der bekanntesten Beispiele eines Sicherheits-Frameworks ist nach der Farbe seines Umschlags benannte "Orange Book" des amerikanischen Verteidigungsminsteriums. Es stammt in seiner ersten Version aus dem Jahre 1983 und ist ein Katalog von Sicherheitsanforderungen, die ein sicheres Computer-System erfüllen muss. 1987 folgte das "Red Book", das Kriterien für den sicheren Einsatz eines Netzwerkes beschreibt.

Ein weiteres bekanntes Framework ist die OSI-Sicherheitsarchitektur der ISO. Es handelt sich dabei um eine im Jahre 1989 eingeführte Ergänzung des OSI-Referenzmodells. Beschrieben werden in einem ersten Teil Sicherheitsmassnahmen ("Services") wie Nicht-Abstreitbarkeit, Authentifikation etc. In einem zweiten Teil werden Sicherheitsmechanismen wie Digitale Sig-naturen, Verschlüsselung etc. dargestellt. Eine tabellarische Übersicht schliesslich ordnet bestimmten Sicherheitsmassnahmen entsprechende Sicherheitsmechanismen zu.(vgl. Fig. 1.2).
 
 
 

Derzeit laufen Arbeiten der ISO und damit verbundenen Organisationen an mehreren Frame-works bezüglich der Sicherheit für offene Systeme [Stud96, S. 13/18]. Es sind dies ein Se-curity Audit Framework, Confidentiality Framework, Non-Repudiation Framework, Integrity Frame-work, Access Control Framework sowie ein Authentification Framework. Alle diese Frame-works bieten Sicherheits-Dienste und -Mechanismen, deren Detailliertheitsgrad den Rahmen dies-er Arbeit sprengen würden. Trotzdem haben die grundlegenden Konzepte im Kapitel 3.3.3 (Daten-übertragung und -sicherheit) Eingang gefunden.
 

EDI-spezifische "Problemkataloge"

Neben wenigen, eigentlichen Frameworks sind in der Literatur vor allem Kataloge und Aufzählungen von Risiken bzw. Problemfeldern im Zusammenhang mit EDI vorhanden. Dabei werden aber meistens nur die Bedrohungen oder Risiken aufgezeigt, jedoch keine Massnahmen präsentiert. Sind Massnahmen dargestellt, so fehlt meistens die für ein Framework typische Ausarbeitung der Beziehungen zwischen Risiken auf der einen Seite und Gegenmassnahmen auf der anderen.
Ein Beispiel hierfür findet sich bei Saltman, wo die Risiken bezüglich eines EDI-Systems de-tailliert dargestellt werden. Auch Emmelhainz spricht unter der Überschrift "EDI-Barriers" zwar viele mit EDI zusammenhängende Problemfelder an, eine konsequente Ausarbeitung und Gegenüberstellung von Bedrohungen und detaillierten Massnahmen wird jedoch vermisst  [Emme90, S. 155ff]. Zudem werden praktisch ausschliesslich technische Problemfelder angesprochen.Der Extremfall einer ausschliesslichen Auflistung von (technischen) Risiken bieten Checklisten, wie sie beispielsweise Heinrich darstellt [Hein92, S: 418ff].

Kapitel 3, Risikoframework